Wie häufig wird diskriminiert?
Die in der Schweiz erfasste rassistische Diskriminierung hat deutlich zugenommen. Darüber hinaus ist die Dunkelziffer wahrscheinlich hoch. Die Kombination verschiedener Datenquellen zeigt die Gesamtsituation von Rassismus und rassistischer Diskriminierung.
Diese Illustration verdeutlicht, wie gross der Bevölkerungsanteil ist, der angibt, rassistische Diskriminierung erlebt zu haben – er hat sich in den letzten vierzehn Jahren fast verdoppelt (Quelle: ZidS). Neben der Erhebung «Zusammenleben in der Schweiz» (ZidS) beziehen wir uns im Folgenden auf alle in der Schweiz identifizierten, bekannt gewordenen und erfassten Fälle rassistischer Diskriminierung im Zeitraum zwischen 2010 und 2022. Nicht nur ZidS registriert mehr rassistische Diskriminierung. Auch bei den zuständigen Beratungsstellen und im Zusammenhang mit der Strafnorm zu Diskriminierung und Aufruf zu Hass (Diskriminierungs-Strafnorm StGB 261bis) nehmen die Fallzahlen seit Jahren kontinuierlich zu.
Die Dunkelziffer ist hoch
Doch längst nicht alle Fälle rassistischer Diskriminierung werden gemeldet oder erfasst. Erschwerend kommt hinzu, dass struktureller Rassismus nur schwer greifbar ist und nicht umfassend gemessen werden kann (mehr dazu unter Quellen und Methoden). Aber nimmt rassistische Diskriminierung tatsächlich zu? Oder wird sie häufiger gemeldet, besser erfasst und ist also insgesamt sichtbarer geworden? Das zeigen die bestehenden Daten nicht. Wir gehen davon aus, dass sich in den letzten Jahren sowohl die Wahrnehmung als auch das Verständnis von rassistischer Diskriminierung verbessert haben – nicht zuletzt auch dank entsprechender Tätigkeiten der Kantone, Städte und zivilgesellschaftlichen Organisationen.
Rassistische Diskriminierung
Fahren Sie mit dem Mauszeiger über die Grafik, um das Ausmass rassistischer Diskriminierung für die einzelnen Jahre anzuzeigen.
2020 verzeichnete die Erhebung «Zusammenleben in der Schweiz» mit 19% den höchsten Wert rassistischer Diskriminierung seit Messbeginn im Jahr 2010. Das heisst, so viele Menschen wie noch nie gaben 2020 an, in den letzten fünf Jahren rassistische Diskriminierung erlebt zu haben. 2022 sank dieser Wert auf 17% und blieb auch im Jahr 2024 auf diesem Niveau.
Die Daten der Grafik finden Sie in der folgenden Tabelle: Indikator des BFS zu Erfahrung rassistischer Diskriminierung, xlsx.
Beratungsfälle und gemeldete Vorfälle
Fahren Sie mit dem Mauszeiger über die Grafik, um die Anzahl Beratungsfälle und gemeldete Vorfälle für die einzelnen Jahre anzuzeigen.
Die Fallzahlen des Beratungsnetzes für Rassismusopfer steigen 2022 weiter an (Auswertungsbericht 2022 der Datenbank DoSyRa). Auch der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) gemeinsam mit der GRA sowie die Koordinationsstelle «Coordination Intercommunautaire contre l‘Antisémitisme et la Diffamation» (CICAD) erfassen ihnen gemeldete oder öffentlich bekannte Vorfälle. Bei allen nehmen die Fälle sowohl off- als auch online zu (Antisemitismusbericht, Rapport CICAD).
Das Medienmonitoring der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) zeigt, dass die öffentliche Debatte rund um Rassismus vor allem in den frühen 2000er Jahren intensiver geführt wurde und danach stetig abnahm. Seit der Bewegung «Black lives matter» und der Coronakrise steigen die öffentlich gewordenen Vorfälle wieder an (GRA-Rassismusbericht).
Die Daten der Grafik finden Sie in der folgenden Tabelle: Auswertung des SFM der Beratungsfälle und der gemeldeten Vorfälle, xlsx.
Strafanzeigen und Strafentscheide sowie weitere Beschwerdefälle
Wählen Sie rechts die Datenquelle, die Sie interessiert. Fahren Sie dann mit dem Mauszeiger über die Grafik, um die Anzahl Strafanzeigen und Strafentscheide sowie weitere Beschwerdefälle anzuzeigen.
In der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) erhöhen sich die Anzahl Beschuldigter und die registrierten Straftaten im Zusammenhang mit der Diskriminierungs-Strafnorm (Art 261bis StGB). Die Zahl der Verurteilungen, die in der Strafurteilsstatistik (SUS) erfasst werden, bleibt aber auf tiefem Niveau. Die Rechtsfälle, welche die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) sammelt, sowie auch die Zahl der dort registrierten Schuldsprüche steigen weiter an. Die EKR-Entscheidsammlung enthält auch Freisprüche und formelle Entscheide sowie Fälle, die das Jugendstrafrecht betreffen.
Die Daten der Grafik finden Sie in der folgenden Tabelle: Auswertung des SFM der Strafanzeigen, -entscheide und Beschwerdefälle, xlsx.
Die obige Grafik enthält jedoch nur Fälle, die in den Anwendungsbereich der Diskriminierungs-Strafnorm fallen (Diskriminierung und Aufruf zu Hass, aufgrund der «Rasse», Ethnie oder Religion; sexuelle Orientierung wurde bewusst weggelassen). Es sind also nur jene Vorfälle von Rassismus, die eine gewisse Intensität erreichen und von der Strafverfolgung erfasst wurden.
Was fehlt, sind Auswertungen zu den wenigen gerichtlich oder aussergerichtlich beigelegten Vorfällen des Zivilrechts, etwa wenn jemand aufgrund der Herkunft eine Wohnung nicht bekommt. Ebenfalls wird bis anhin von der Polizei nicht systematisch erfasst, wenn eine Straftat wie Körperverletzung oder Sachbeschädigung rassistisch motiviert ist, so genannte Hassverbrechen. Forderungen auf internationaler Ebene und im Schweizer Parlament, dies zu ändern, blieben bisher zumindest teilweise unerfüllt. Eine im Auftrag der Kantonspolizei Basel-Stadt erstellte Studie vom Juni 2023 belegt, dass insgesamt zwölf kantonale Polizeicorps potenzielle Hassdelikte dokumentieren, in der Mehrheit Vorfälle, die sich gegen Religion, ethnische Herkunft und/oder sexuelle Orientierung/Geschlechtsidentität einer Person richten.
Im Zusammenhang mit den Medien sind jene Fälle relevant, die unter «Rassenhass, (rassistische) Diskriminierung» bei der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) eingeordnet sind sowie die als (rassistische) Diskriminierung klassifizierten Fälle vor dem Schweizer Presserat. Sie bleiben auf tiefem Niveau stabil (UBI 2022: 3 Fälle, 2021: 3 Fälle, Presserat 2022: 0 Fälle, 2021: 1 Fall).
Weiterführende Informationen zu diesem Thema
Auf der Website der FRB:
- Quellen und Methoden
- Glossar
- Studie struktureller Rassismus
- Beratungs- und Meldestellen sowie Rechtsratgeber
- Dossier zu Integrationspolitik und Diskriminierungsschutz
Auf anderen Websites:

Wer wird diskriminiert?
Die Sicht auf die betroffenen Menschen ist aus verschiedenen Gründen eingeschränkt. Ihre Nationalität, ihr Geschlecht, ihr Alter etc. liefern trotzdem Hinweise.

Wo wird diskriminiert?
Betroffene erleben rassistische Diskriminierung an unterschiedlichen Orten. Aber ob bei der Arbeit oder im Ausgang: Rassistische Diskriminierung hinterlässt Spuren.

Wie wird diskriminiert?
Verbale Attacken, schriftliche Beleidigungen, strukturelle Benachteiligung oder sogar Schläge – rassistische Diskriminierung hat viele Gesichter.

Wer diskriminiert?
Ein genaues Bild der Täterinnen und Täter ist schwierig, weil Daten nicht erhoben werden oder vertraulich sind. Anhaltspunkte geben Straftaten.

Einstellungen
Nationalität, ethnische Zugehörigkeit, Religion, Sprache, Hautfarbe: Viele Menschen stört die Vielfalt. Aber noch mehr finden: Rassistische Diskriminierung ist ein ernstes Problem.